A community called atonement - Kapitel 13

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Kapitel 13:
Die ersten Theologen und ihre Geschichte: Irenäus und Athanasius

Schon bald nach den Aposteln erzählten Theologen wie Irenäus und Athanasius die Geschichte neu - im Kontext veränderter Umstände. Aus dieser Tradition ist insbesondere die Theologie der Ostkirche erwachsen.

Rekapitulation

Ihr Stichwort, unter dem sie Sühne/Versöhnung zusammenfassten, war “Rekapitulation”. Es bedeutet “zusammenfassen, zum Ziel bringen” wie in Röm. 13,9, wo gesagt wird, dass in der Liebe alle Gebote zusammengefasst sind. In unserem Zusammenhang heißt das: in Christus wird alles menschliche Leben - Adam, Israel, wir, … - zu seinem eigentlichen Ziel gebracht.
Das hat zwei Dimensionen:

  1. Christus steht an unserer Stelle und tut etwas, was wir nicht tun können (Substitution);
  2. Wir nehmen an seinem Leben teil, wir sind “in ihm”. Er wurde Mensch, damit wir göttlich werden können (so die Formulierung von Athanasius).

Dies ist zutiefst biblisch (von Mose, der sein Volk repräsentiert bis zu Paulus, der von Christus als dem zweiten Adam spricht).

Für diese frühen Theologen war der Tod das zentrale Problem, und ihre Lösung bestand darin, dass Menschen an Gottes Leben teilnehmen als seine Kinder, so den Tod hinter sich lassen und in der Gegenwart Gottes leben. Das wird durch die Inkarnation Jesu ermöglicht, die in der östlichen Theologie eine zentrale Rolle spielt. Durch die Inkarnation ist die heilvolle Rekapitulation des menschlichen Schicksals durch Jesus erst möglich. Er verbindet Gott und Mensch, besiegt den Tod und holt uns in das göttliche Leben hinein. Die Eucharistie, durch die diese Einheit mit Gott vollzogen wird, ist für diese Denkweise zentral.

Zusammenfassung der bisherigen Stationen:

Wir haben nun alle nötigen Elemente beieinander, um ein übergreifendes Modell für die Theologie von Sühne/Versöhnung zu entwickeln. Wir haben über das Phänomen der theologischen Metaphern nachgedacht (Kapitel 5-6), wir haben die verschiedenen Stationen von Sühne/Versöhnung betrachtet, die nicht übersehen werden dürfen (Kapitel 7-10), und wir haben uns davon überzeugt, wie unterschiedliche Menschen dieses Thema auf ihre besondere Weise reflektieren (Kapitel 11-13). Es ist völlig klar: wer das Evangelium erzählt, muss eine Geschichte über Sühne/Versöhnung erzählen. Welche davon wäre für uns heute am besten geeignet? Und welche ist weit genug, um all die verschiedenen Modelle einzubeziehen?

McKnight kündigt an, im nächsten Kapitel einen Beutel zu beschreiben, in den alle Golfschläger hineinpassen.

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A community called atonement - Kapitel 12

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Kapitel 12:
Wie Paulus die Geschichte sah: Im Gerichtssaal Gottes

Jesus erzählt eine Geschichte vom Passa, Paulus redet zentral von Rechtfertigung. Nun hat sich allerdings das Verständnis von Paulus in der jüngsten Vergangenheit geändert durch die von Ed Sanders, Jimmy Dunn und N.T. Wright entwickelte “New Perspective on Paul”. Diese unterscheidet stärker zwischen Paulus selbst und seiner Aufnahme in der Reformation - Paulus erzählt eine größere Geschichte von Versöhnung als die Reformatoren gedacht haben:

  • Rechtfertigung ist ein juristisches Bild: Gott wird am Ende zu Gericht sitzen; wer “in Christus” ist, wird für gerecht erklärt werden, und dieses künftige Urteil hat jetzt schon Bedeutung.
  • Durch die Auferstehung hat Gott Jesus endgültig Recht gegeben.
  • Durch die Einheit mit Christus lebt die Gemeinschaft der Glaubenden schon jetzt aus der künftigen Entscheidung Gottes.
  • Die Basis dieser Gemeinschaft ist Glaube und nicht Werke des Gesetzes. Deshalb gehören Juden und Heiden zu ihr.
  • Gottes Rechtfertigung ist ein Teil seines Plans, die ganze Welt wieder recht zu machen.
  • Auch wenn nicht alle Vertreter der “New Perspective” das so sehen, liegt es doch nahe, aus der Unio mit Christus die “doppelte Imputation” abzuleiten, die eine wichtige Entdeckung der Reformation ist: Jesu Gerechtigkeit wird einem Menschen zugerechnet und die Sünde wird Jesus zugerechnet (der “fröhliche Wechsel” Luthers).

Durch diese neue Sicht der Rechtfertigung ergeben sich einige Korrekturen am reformatorischen Verständnis:

  • Erstens ist es zu individualistisch, denn das Ziel der Rechtfertgung ist die Schaffung einer Gemeinschaft.
  • Zweitens ist Rechtfertigung zwar ein juristisches Bild, aber man darf deswegen Sühne/Versöhnung nicht auf die juristische Ebene reduzieren. Es geht um ein Beziehungsgeschehen: Gott stellt die Einheit mit Menschen aus Güte und Liebe wieder her.
  • Drittens muss Rechtfertigung in den Zusammenhang der Einheit mit Christus gestellt werden - ihre Grundlage ist die Inkorporation, also das In-Christus-Sein. Aus dem Sein in Christus folgt die Rechtfertigung.
  • Viertens muss die Reduktion der Rechtfertigung auf eine juristische Gerechterklärung aufgegeben werden. Wenn Gott gerechtspricht, dann bleibt er nicht bei einem Urteilsspruch stehen, sondern er setzt damit Realität und bringt effektiv Dinge in Ordnung. Und das bedeutet: er schafft eine Gemeinschaft, in der sein Wille getan wird.

Man merkt, wie hier von Paulus eine andere Geschichte erzählt wird als von Jesus. Diese Geschichten sollten nicht vorschnell systematisch harmonisiert werden. Man kann das als Theologe natürlich tun, aber damit nimmt man jeder einzelnen Geschichte ihre Würde und ihren Glanz. Man kann nicht mit zwei Golfschlägern gleichzeitig spielen. Trotzdem, nachdem im nächsten Kaptel noch die Theologie der frühen Kirchenväter zu diesem Thema skizziert wird, soll dann ein Beutel vorgesetellt werden, in den alle Schläger hineinpassen.

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A community called atonement - Kapitel 11

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Kapitel 11:
Wie Jesus seine Geschichte sah: Passa

Was dachte Jesus selbst über seinen Tod? Viele gehen davon aus, dass Jesus dachte, was sie selbst darüber denken: die einen sehen keinen Zusammenhang zwischen Jesu Mission und seinem Tod, die anderen sind überzeugt, dass Jesus von Anfang an wusste, dass sein Tod das eigentliche Ziel seines Mission war.

Nun muss das, was Jesus dachte und was die späteren neutestamentlichen Autoren (Paulus, Petrus, Hebräer) dachten, nicht unbedingt identisch sein. Dieser Unterschied darf auch nicht verwischt werden. Ein großer Teil der neutestamentlichen Wissenschaftler bezweifeln heute allerdings ganz, dass Jesus selbst seinen Tod als sühnend/versöhnend verstand. McKnight gibt dazu zwei Punkte zu bedenken:

  • einmal muss Jesus spätestens seit dem Tod Johannes des Täufers auch die Möglichkeit seines eigenen gewaltsamen Todes vor Augen gehabt haben;
  • zum anderen ist es nicht vorstellbar, dass Jesus diese Möglichkeit nicht im Licht der Schrift bedacht haben würde. Und tatsächlich gibt es zwei Stellen (Markus 10,45; 14,24), in denen Jesus seinen Tod als sühnend/versöhnend deutet - ein Hinweis, dass die spätere kirchliche Lehrentwicklung ihre Wurzeln schon in Jesu eigenen Gedanken hat.

Bei der Einsetzung des Abendmahls (Markus 14,24) stellt Jesus seinen Tod in den Kontext des Passafestes und der Befreiung aus Ägypten. Die Frage, ob das beim eigentlichen Passamahl geschah oder am Tag davor, kann offen bleiben, weil Passa ein Fest war, das sich über eine ganze Woche erstreckte. Alles, was geschah, stand in diesem Zusammenhang. In der Symbolhandlung mit Brot und Wein thematisiert Jesus seinen Tod und fordert seine Jünger auf, daran Anteil zu haben. Jesus identifiziert sich mit seinen Jüngern und nimmt sie mit hinein in seinen Tod. Mit diesem Mahl begründet Jesus seine ekklesiale Gemeinschaft, und die Jünger werden durch ihr Esen und Trinken Teil dieser Gemeinschaft.
Dabei ist nun wichtig, dass der Passa-Kontext die Befreiung aus Ägypten thematisierte - das hatte damals deutliche politische Dimensionen, als eine Stellungnahme gegen die erdrückende Pax Romana. Jesus wählte gerade das Passafest als Kontext für das Abendmahl und nicht den großen Versöhnungstag (Yom Kippur). Er brachte damit seinen Tod in Verbindung mit dem Blut des Passalammes, das als Schutz vor dem Todesengel an die Türen gestrichen wurde. In Analogie dazu forderte er seine Jünger auf, sich durch dieses Essen und Trinken vor dem Gericht Gottes über die ungerechten römischen Machthaber und ihre Verbündeten in Israel zu schützen. Gottes Zorn zielt hier deutlich auf konkrete politische Zusammenhänge.

Die zweite Stelle, an der Jesus seinen zukünftigen Tod deutet, ist Markus 10,45. Jesus sagt voraus, dass er sterben werde “als Lösegeld für viele”. Damit verweist er auf Gedanken Deuterojesajas, insbesondere die Aussagen über den leidenden Gottesknecht. Dort wird ein Tod als Preis für die Befreiung des Volkes aus Gefangenschaft und Unterdrückung verstanden. Der Zusammenhang von 10,45 bestätigt das: Jesus rügt seine Jünger für ihre Machtgier, die der Machtgier des römischen Imperiums gleicht. Aber davon sind sie durch Jesus befreit. Jesus befreit seine Jünger von Sünde und ungerechten Systemen, damit sie als neue Gemeinschaft nach Gottes Willen leben können.
Damit werden Jesu Botschaft vom Reich Gottes und die Sühne/Versöhnung durch seinen Tod ein sinnvolles Ganzes: Jesus kam, um das Reich Gottes aufzurichten, eine Gemeinschaft, in der Gottes Wille getan wird. Er vollbringt das, indem er in das feindliche Gebiet eindringt, dort anstelle und zum Nutzen anderer stirbt und durch die Auferstehung den Tod überwindet. Wenn die Jünger das Abendmahl essen und trinken, bekennen sie ihre Komplizenschaft mit der Sünde und nehmen Jesu Tod anstelle ihres eigenen an. Für sie gilt die Logik von Passa: ein stellvertretender Tod, der das Gericht Gottes auf sich zieht, die Teilnehmer am Mahl schützt und sie befreit.

Von Jesus zu Paulus

Folgende Beobachtung ist wichtig: Die Worte, die Jesus gebrauchte, sind für die anderen Autoren des Neuen Testaments nicht bindend. Paulus und Johannes etwa fühlten sich nicht verpflichtet, bei den Reich-Gottes-Formulierungen Jesu zu bleiben; Johannes z.B. sprach lieber vom “Ewigen Leben”. Sachlich aber gibt es starke Entsprechungen: der Zorn von Röm. 1,18 - 3,20 etwa entspricht dem Gericht Gottes über Ägypten, an das Passa erinnert. Aber auch wenn Paulus so Gedanken von Jesus weiterentwickelt, tut er das in anderen Formulierungen. Schon für die Apostel gab es keine endgültigen Sprachregelungen. Jede Begrifflichkeit ist begrenzt. Es sind nur Bilder, die Menschen zur Sühne/Versöhnung selbst bringen sollen.

A community called atonement - Kapitel 10

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Kapitel 10:
Stationen der Sühne/Versöhnung: Ostern und Pfingsten

Der Tod Jesu streicht die Sünden durch, in der Auferstehung geht es um die neue Schöpfung. Eine Theologie der Sühne/Versöhnung, die nicht auf die Auferstehung hin denkt, entlastet zwar vom Sündenproblem, trägt aber nichts zur Transformation von Welt und Menschen bei.

Römer 4,25: Neugeschaffene Bilder Gottes

Entsprechend 1. Kor. 15,17 (”Wenn Christus nicht auferstanden ist, ist euer Glaube leer, und ihr seid noch in euren Sünden”) gehört die Auferstehung zu den Fundamenten des Glaubens, auch zu denen von Sühne/Versöhnung. Nach Röm. 4,25 erstand Jesus von den Toten “um unserer Rechtfertigung willen”. Es geht nicht nur darum, Sünde auszuräumen, sondern um den Gott, der sein Volk aus der Gefangenschaft befreit.

Für Paulus werden durch Sühne/Versöhnung zerstörte Bilder Gottes wiederhergestellt, indem sie mit dem Leben Gottes beschenkt werden. Das geschieht in einer neuen Gemeinschaft, die auch die Grenze zwischen Juden und Heiden überwindet.
Durch den Heiligen Geist ist Auferstehungskraft in den Glaubenden wirksam. Deshalb gehört auch Pfingsten in eine Theologie von Sühne/Versöhnung hinein.

Pfingsten: Apostelgeschichte 2 und die bevollmächtigten Ebenbilder Gottes

Die erste Christenheit erzählte eine integrierte Geschichte vom Leben Jesu, seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt bis hin zur Sendung des Heiligen Geistes zu Pfingsten. Gemeinsam bewirkt diese Geschichte Vergebung, Neuschöpfung und Bevollmächtigung. Pfingsten trägt dazu vier Themen bei:

  • Die Ausgießung des Heiligen Geistes beschwor die Erinnerung an die Verheißung eines neuen Bundes (Jer. 31) herauf. Die Christen verstanden, dass sie Teil einer Erneuerung des Gottesvolkes waren, die der Heilige Geist bewirkte.
  • Gott erneuert nicht Einzelne, sondern die ekklesiale Gemeinschaft, in der der Wille Gottes geschieht. Diese Gemeinschaft ist universal und demokratisch. Begrenzt man Sühne/Versöhnung auf Individuen, dann zerstört man das biblische Muster. Nirgendwo wird das deutlicher als in Apostelgeschichte 2. Die Verbindung, die Petrus dort zu Joel 2 schlägt, bringt aber auch politische Assoziationen ins Spiel: die durch den Heiligen Geist entstandene Gemeinschaft ist gleichzeitig ein Urteilsspruch über die ungerechten Herrscher der Welt.
  • Diese Gemeinschaft ist in der Lage, Grenzen zu überwinden und sich durch die ganze Welt auszubreiten. McKnight zitiert N.T.Wright: “Gott gibt seinem Volk nicht den heiligen Geist, damit sie die geistliche Version eines Tages in Disneyland genießen können.”
  • Der Heilige Geist macht aus dieser Gemeinschaft einen Leib, der mit verteilten Rollen einheitlich handelt (1. Kor. 12).

Pfingsten darf also nicht außen vor bleiben, wenn man von Sühne/Versöhnung spricht. In den Pfingstereignissen kristallisiert sich das Ziel von Gottes Werk in Sühne/Versöhnung heraus.

Zusammenfassung von Teil 2 des Buches:

Nach einem Überblick über die Stationen der Sühne/Versöhnung kann man sagen, dass es immer um die Schaffung einer Gemeinschaft des Glaubens geht, in der das Böse keinen Platz hat und Gerechtigkeit herrscht. Bevor aber daraus eine zusammenfassende Formulierung gewonnen werden kann, müssen wir noch (in Teil 3) auf die Geschichten hören, die Jesus, Paulus und einige Kirchenväter erzählen.

EmergentCamp in Bremen

Seit dem Emerging Studientag in Hamburg im letzten Jahr ist hier im Norden eine Zusammenarbeit unter Leuten gewachsen, die sich vor allem über ihre Blogs kennengelernt haben. Und jetzt laden wir alle Interessierten zum EmergentCamp ein, um die Vernetzung voranzubringen:

EmergentCamp:
Evangelium und Gemeinschaft im Kontext der Postmoderne

am 06. September 2008 von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr in den Räumen der Christusgemeinde Bremen-Blumenthal.

EmergentNord lädt ein zu einem ersten EmergentCamp. Im Barcamp-Stil wollen wir miteinander über folgende Themen sprechen:

I. Wer sind wir heute?
Nach fast zwei Jahrtausenden Christentum befindet sich Europa in einem Zeitenbruch. Die Moderne geht ihrem Ende entgegen. Die Bedingungen, in denen das Evangelium kommuniziert wird, ändern sich. In einer unübersichtlichen Gemengelage mischen sich vormodernes, modernes und postmodernes Denken. Wer also sind wir heute? Ein Versuch Spuren zu erkennen.

II. Was ist das Evangelium?
Ein erster Versuch einer Rekonstruktion: welches Evangelium verkünden wir eigentlich in der unübersichtlichen Situation zwischen Moderne und Postmoderne?

III. Was ist christliche Gemeinschaft?
Die neuen Bedingungen sind auch Resonanzboden für Klänge des Evangeliums, die lange überhört worden sind. Wie können sie in Gemeinschaften Gestalt gewinnen? Wir wollen viele Impulse und Fragmente sammeln, die zu einer neuen Praxis christlicher Gemeinschaft anstiften.

Call-for-papers:
Jeder, der auch an diesen Fragestellungen arbeitet, ist eingeladen, Beiträge zu diesen Themen mitzubringen. Das dürfen auch Praxisberichte, Fragmente, Literaturberichte oder Diskussionsanstöße sein. Beiträge sollten 10 min Länge nicht überschreiten.

Anmeldung:
Wir bitten um eine Anmeldung bis zum 15. August 2008 an: info@zellgemeinde-bremen.de

Adresse des Veranstaltungsorts:
Christusgemeinde Bremen Blumenthal (ev.-freikl./Baptisten)
Cranzer Straße 22
28777 Bremen

Eine Wegbeschreibung
gibt es auf der Webseite der Christusgemeinde unter:
http://www.christusgemeinde-blumenthal.de/index.php/kontakt/

Was ist die Säkularisierung eigentlich heute?

Es ist schon einige Zeit her, dass Tobias auf seinem Blog mehrere Beiträge (hier, hier, hier und hier) (und jetzt auch hier) zur religiös-geistigen Situation der Gegenwart veröffentlicht hat. Er macht dabei keine Schnellschüsse, sondern versucht ausdrücklich, unser Heute im Rahmen einer längeren Entwicklungsgeschichte zu verstehen. Also keine kurzfristigen Handlungsrezepte, sondern zuerst einmal verstehen, was eigentlich vorgeht: in welchem Prozess wir uns im Augenblick befinden.

Dazu stellt er verschiedene Theorieansätze vor, mit denen die Situation der Religion - vor allem in Europa - beschrieben worden ist:

  • Der bisher wirkungskräftigste Ansatz war die Säkularisierungsthese: Religion ist eine vorwissenschaftliche Denkweise, die durch rationalere Denkmuster ersetzt werden wird und auf ihr Aussterben zugeht.
  • Diese These wird jedoch inzwischen einfach durch das faktische und vitale Überleben der Religion im Weltmaßstab widerlegt. Sie ist auch nicht mehr das herrschende Denkmuster in der Religionssoziolgie.
  • Vielmehr gerät die Säkularisierungsthese selbst in Ideologieverdacht: sie hat zum Teil erst die Wirklichkeit hervorgebracht, die sie zu beschreiben vorgibt; sie war selbst ein Kampfbegriff. Aber sogar im stark säkularisierten Europa, das im Weltmaßstab eine Ausnahme ist, greift sie nicht: die länderspezifischen Unterschiede (etwa das katholische Polen neben dem gottlosen Ostdeutschland, dem ebensolchen Tschechien und dem gemischten Westdeutschland …) sind nicht nach dem Muster Fortschritt/Rückständigkeit zu erklären.
  • Der Religionspädagoge Dressler schlägt einen anderen Erklärungsrahmen vor: die funktionale Ausdifferenzierung der Gesellschaft lässt es nicht zu, dass ein Subsystem (die Religion) die ideologische Kontrolle über die ganze Gesellschaft übernimmt.

Tobias hat ausdrücklich zum Mit- und Weiterdenken eingeladen. Das will ich mit einiger zeitlicher Verzögerung hier tun.

Ich empfinde es als zentrales Defizit all dieser Theorien, dass sie von einem allgemeinen Religionsbegriff ausgehen und die christliche Religion darunter subsummieren. Wenn die Religionssoziologie inzwischen feststellt, dass es Säkularisierung eigentlich nur in Europa und bei den weltweiten europäisch geprägten Eliten gibt, dann stellt sich ja die Frage nach dem Grund dieser Sonderstellung.

Die naheliegende Hypothese wäre dann doch, dass die Säkularisierung kein allgemeines Gesetz ist, sondern eine Frucht der besonderen Religion, die Europa geprägt hat: des Christentums. Wieso ist gerade auf dem Boden des Christentums eine mindestens teilweise religionslose Gesellschaft entstanden? Ist das historischer Zufall, oder hängt das mit den spezifischen Inhalten des Christentums zusammen?

Die Frage so zu stellen bedeutet natürlich, dass man das Zweite vermutet. Genauso kann man dann aber auch unterstellen, dass es ein blinder Fleck der Religionssoziologie ist, wenn sie diesen spezifisch christlichen Sonderweg der Religion in Europa nicht angemessen wahrnimmt (ich kenne mich allerdings nicht gut genug auf diesem Felde aus, um sagen zu können, ob das durchgehend so ist. Das weißt du sicher besser, Tobias!).

Ich denke, dass eine angemessene Theorie der christlichen Religion in Europa mindestens die folgenden Besonderheiten berücksichtigen müsste:

  1. Den besonderen inhaltlichen Impuls des Christentums (Max Weber hat gezeigt, welche revolutionären gesellschaftlichen Entwicklungen der angestoßen hat)
  2. Die konkurrenzlose Monopolstellung des Christentums in Europa (”Religion” bedeutete hier über Jahrhunderte “Christentum” - in anderen Gegenden der Welt erlebt man durchaus mehrere Religionen nebeneinander)
  3. Die staatsgestützte ideologische Dominierung der Gesellschaft durch die Kirche(n)
  4. Die Verformung des christlichen Impulses durch diese dominierende Stellung
  5. Der besondere Charakter des Widerstandes gegen die kirchliche Dominanz in der Aufklärung und der weitere Verlauf dieser Auseinandersetzung.

Meine Vermutung dazu ist, kurz gesagt: die europäische Säkularisierung ist gewachsen aus dem gesellschaftlichen Widerstand gegen die kirchliche Dominanz. Weil die so umfassend war (faktisch und ideologisch - Stichwort Monotheismus, Absolutheitsanspruch des Christentums), konnte es keinen religiösen Widerstand geben, sondern nur einen anti-religiösen, der sich nominell gegen “die Religion”, faktisch aber gegen das Christentum richtete. Eine Spätfolge davon ist das Phänomen, dass die Menschen im Augenblick zu unser aller Erstaunen wieder religiös werden, aber nicht christlich.

Dieser Widerstand gegen kirchliche Dominanz speiste sich aber - jedenfalls teilweise - aus dem christlich-jüdischen Impuls selbst (aber auch antik-heidnische und asiatische Impulse spielen eine Rolle). Nicht umsonst kamen/kommen viele Religionskritiker aus einem christlichen oder jüdischen Umfeld (Pfarrhäuser sind da recht beliebt). Die religionskritischen Impulse der Bibel sind hier auf fruchtbaren Boden gefallen, wenn auch in anderem Kontext. Das führt zu einer sehr undurchsichtigen Gemengelage.

Schließlich müsste man das Ganze auch auf der viel weniger theoretischen Ebene des Alltags, aus der Perspektive des “Volkes” durchspielen: die zwiespältigen Erfahrungen mit Kirchen (bzw. Pastoren), die einerseits Organe gesellschaftlicher Kontrolle und andererseits auch Repräsentanten von Menschlichkeit und Menschenwürde waren. Diese beiden Ebenen (Theorie und Alltag) sind aber - vor allem durch die Arbeiterbewegung - auch miteinander verbunden.

Spannende Fragen sind für mich in diesem Zusammenhang:

  • War das Bündnis von christlichem Impuls und Religion eigentlich ein Missverständnis, oder gibt es da eine Schnittmenge (und welche)?
  • Aktuell gewendet bedeutet das: ist Religion nur eine vorübergehende Gestalt des christlichen Impulses? vielleicht noch nicht einmal eine gute? Pointiert gesprochen: wieviel Religion braucht eigentlich das Evangelium? Sollten wir uns der gegenwärtigen Renaissance der Religion anschließen oder nicht? Oder wie?
    Das ist für mich keine rhetorische, sondern eine echte und praktische Frage!
  • Hier wäre auch nach der bleibenden Bedeutung von Bonhoeffers Prophezeiung einer kommenden “religionslosen” Zeit zu fragen. Wenn man sie als die Prophezeiung einer “christentumslosen” Zeit verstehen würde, dann wäre diese These jedenfalls nicht einfach durch die Entwicklung widerlegt.
  • Muss sich christlicher Glaube eigentlich immer in Form einer Religion organisieren? Die frühen Christen jedenfalls wurde eher als Anti-Religion wahrgenommen.
  • Ist es möglich, relgionskritische Impulse der Aufklärung wieder mit ihren biblischen Wurzeln zu versöhnen?
  • Auffällig ist schließlich, dass sich der Katholizismus in den Ländern bis heute hält, in denen er sich über lange Zeit mit einer unterdrückten Nation verbunden hat (Polen, Irland), während er in Frankreich mit dem Ancien Regime verbunden war und sich von der Revolution nicht wieder erholt hat. Ist also für das Überleben einer Religion (oder wenigstens des Christentums) die Positionierung in gesellschaftlichen Konflikten entscheidend?

Tobias hat zur Diskussion eingeladen. Ich möchte das unterstreichen. Die Verhältnisse sind eine so unübersichtliche Gemengelage. Da muss einfach mehr Klarheit rein. Lasst uns hier Nachdenken investieren! Wer macht mit?

Wie im Himmel - oder jedenfalls beinahe

Kay Pollak ist der Regisseur des wunderbaren Films “Wie im Himmel“, der für den Oscar nominiert war und auch in vielen deutschen Städten wochenlang lief. Es ist der beste Film über Gemeindegründung, den ich je gesehen habe. Auch “Chocolat” kommt da nicht mit, aber die Geschichte ist ähnlich: ein Dirigent formt (nicht aus den Kunden einer Chocolaterie, sondern) aus einem mittelmäßigen Kirchenchor eine befreiende und heilende Gemeinschaft. Zwischendrin gibt es so etwas wie eine Kreuzabnahme und am Ende einen großen Saal mit Menschen, die in Zungen reden. Hufi hat neulich darüber gepostet.

Das Verrückte dabei ist wieder mal: Gott kommt in dem Film eigentlich nicht vor. Religion wird nur durch den strengen staatskirchlichen Pfarrer repräsentiert, der sich von der Gemeinschaft des Chores bedroht fühlt, weil die seine auf Angst und Gewissensdruck gegründete Herrschaft über die Gemeinde gefährdet.

Kay Pollak schreibt auch Bücher über persönliches Wachstum und Freiheit. Das Grundmotiv dabei ist: trenn dich von der Illusion, dass das Problem da draußen bei den anderen liegt. Verändere dein Denken, das ist der Schlüssel. Man merkt, dass das sein Weg war und dass der für ihn eine große Befreiung bedeutet hat: sich nicht mehr als Opfer zu fühlen, sondern sich als verantwortlich zu verstehen.

Ich habe gerade “Für die Freude entscheiden” gelesen. Darin beschreibt Pollak gegen Ende (ab Seite 210 - wer es nachlesen will, kann bei amazon  in der Volltextsuche die Zahl “210″ eingeben und dann auf die nächsten Seiten weiterklicken. Interessant könnten auch die Suchbegriffe “Sonntagsschule” und “Kirche” sein) einen inneren Weg der Umkehr und Vergebung, der eigentlich eine sehr zeitgemäße Form dessen ist, was man sonst Beichte und Vergebungszuspruch nennen würde. Das ist in vielem so gut formuliert und gedacht, dass man sich da manches für die Seelsorge abgucken kann.

Aber auch hier ist das Verrückte: obwohl sogar die Zusage “ich vergebe dir” wörtlich vorkommt, wird Gott nirgendwo genannt. Wer vergibt also an dieser Stelle? Das von Pollak so genannte “höhere Ich” - der Mensch, der wir auch sind: sicher, präsent, angstfrei, liebevoll. Die Utopie des Menschen, der wir sein könnten, sollen und manchmal auch sind. Das finde ich einen sehr wichtigen Gedanken: mit jeder Sünde (Pollak benutzt das Wort natürlich nicht) versündigen wir uns an dieser Utopie.

Nur - dass Gott es sein könnte, der diese Utopie von uns hat und diesen Traum auch in Kay Pollak träumt, das ist ein Gedanke, an den Pollak sich nicht heranwagt. Er beschreibt bis ins Detail geistliche Prozesse, ohne den Namen Gottes oder Jesu zu erwähnen. Warum?

An einigen Stellen wird deutlich, dass Pollak aus einem christlich geprägten Elternhaus kommt (woher sollte er auch sonst diese intime Kenntnis geistlicher Strukturen haben …), aber es war offenbar auch ein Elternhaus (oder eine Gemeindekultur), in dem er zum Unglück erzogen wurde. Er lernte, auf Probleme und Ängste mit Irritation, Ärger und Zorn zu reagieren. Vor allem aber war in ihm eine Stimme, die beständig zu ihm sprach: Du bist ein armer sündiger Mensch … geboren in Sünde!

“Wenn ich es für einen Moment wagte, meine einzigartige und wunderbare Größe zu bejahen, dann war es der verurteilende und strafende Gott, der mich in die Knie zwingen wollte.”

Pollak steht für viele andere. Viele wissen oder ahnen, dass sie einen geistlichen Prozess dringend brauchen. Sie sehnen sich danach, und es ist der Sache nach nicht die buddhistische (oder esoterische o.ä.) Grunderfahrung, die sie ersehnen, sondern eine genuin christliche. Aber entweder ahnen sie gar nicht, dass es so etwas unter dem Label “christlich” geben könnte, oder sie bekommen den christlichen Gott und ihre Kirchenerfahrungen (oder ihr Kirchenbild) nicht auseinander. Sie fürchten viel zu sehr (und nicht zu Unrecht!), dass sie am Ende doch wieder bei der ganzen alten unterdrückerischen Scheiße landen, wenn sie sich auf ausdrücklich christliches Vokabular einlassen. Das gebrannte Kind scheut das Feuer.

Stattdessen konstruiert sich Pollak einen Gott, der nur Liebe ist und nie verurteilt, und man möchte ihn fragen: brauchen denn die Unterdrückten dieser Erde das nicht, dass Gott Recht spricht und ihre Unterdrücker verurteilt? Ist das nur ein Problem im Kopf der Armen, das durch Umdenken zu lösen ist?

Aber man sollte wohl mit verletzten Menschen nicht so reden. Schon gar nicht, wenn aus dieser Verletzung so viel Heiles und Positives wächst. Vielleicht müssen Pollak und andere einen ganz eigenen Weg gehen, bis sie sich an die Erkenntnis herantrauen, dass sie in ihrer Sehnsucht dem wirklichen Gott ganz nahe auf den Spuren sind.

Wir - Vertreter einer christlichen Kultur, die noch längst nicht frei ist von dem, was Pollak zu Recht beklagt - helfen ihm und anderen wahrscheinlich am besten dadurch, dass wir mit dem arbeiten, was sie uns zu geben haben. Pollaks Buch ist eine wunderbare Hilfe für die Seelsorge (in manchem ja auch nicht neu). Aber es braucht so etwas wie ein Re-engeneering: wir müssen lernen, ihre Weisheit zu nutzen, aber den Namen Gottes, den Namen Jesu auch ausdrücklich auszusprechen und dabei trotzdem (!) so befreiend zu bleiben, wie Pollak und andere es uns vormachen.

Wenn der ausgesprochene Name und die Sache, die damit gemeint ist, wieder zusammenkommen, was wird das anderes bedeuten als Leben aus dem Tod (Römer 11,15)? Vielleicht erleben wir es ja noch, in geringerem oder größerem Maß.

Und: wer sich “Wie im Himmel” noch nicht angeschaut hat - ab ins Kino! Oder die DVD bestellen. Der Film sollte Pflichtprogramm bei allen Schulungen für Gemeindegründung sein. Denn vom Singen werden Menschen immer noch schneller heil als vom Schokoladefuttern.

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A community called atonement - Kapitel 9

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Kapitel 9: Stationen der Sühne/Versöhnung: Das Kreuz

Jede Theorie über Sühne/Versöhnung muss die zentrale Stellung des Todes Jesu und das sühnend/versöhnende Potential des Kreuzes berücksichtigen. Es muss aber mit den anderen Stationen des Heilsgeschehens verbunden werden, um Verkürzungen zu vermeiden.

Das Kreuz bei Markus

Das Kreuz thematisiert die Gefangenschaft der Welt unter dem Bösen, und zwar auf drei Ebenen:

  • der geistliche Widerstand gegen die Präsenz des Sohnes Gottes unter den Menschen
  • der menschliche Widerstand gegen die Taten Jesu
  • der politische Widerstand gegen seine politische Wirkung

Diese drei Ebenen haben ihren Schnittpunkt im Kreuz. Dort konzentriert sich der Widerstand, der Gottes Rettungswerk zu verhindern versucht. Aber auf diese Weise stellt Gott die Mächte des Bösen und bricht ihre Macht.

Paulus und das Kreuz

Im Kreuz identifiziert sich Jesus mit unserem Leiden, unserem Schmerz und unserem Tod. Dem zentralen Text Römer 3,21-26 entnimmt McKnight die Gesamtsicht, dass im Kreuz zerstörte Bilder Gottes wieder in ein Verhältnis zu Gott gebracht werden, ihnen vergeben wird, der Zorn Gottes von ihnen abgewendet wird und sie in eine Gemeinschaft integriert werden, wo sie wiederhergestellt werden. Dies alles geschieht durch das Vertrauen auf Jesus, der Gottes Treue zu seinen Verheißungen verkörpert.
Zwei Themen aus dieser Zusammenfassung werden nun noch genauer untersucht:

Rechtfertigung und Zorn Gottes

In der Rechtfertgung wird ausgesprochen, dass Menschen in Ordnung gekommen sind und nun zu Gottes Volk gehören. Rechtfertigung umgreift die Auslöschung von Sünde und die Erschaffung eines neuen Gottesvolks in Christus. Dieses Geschehen ist ein Akt der Gnade Gottes, so wie auch der Zorn Gottes aus seiner eifersüchtigen Leidenschaft für seine verirrten Ebenbilder erwächst.
Für McKnight ist es ein Irrweg, den Zorn Gottes in einen unpersönlichen Tun-Ergehens-Zusammenhang aufzulösen. Vielmehr muss auch Gottes Zorn aus seiner leidenschaftlichen Liebe zu den Menschen verstanden werden, für die er sich nicht mit weniger als dem Besten zufriedengibt. Sein Zorn ist die Rückseite seiner Liebe.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Gott in Jesus

  • “mit uns” stirbt, indem er in unsere Situation eintritt und einen neuen Weg findet;
  • “an unserer Stelle” stirbt, indem er unsere Situation übernimmt; und
  • “für uns” stirbt, indem dieses Geschehen das Alte ausräumt und einen neuen Weg eröffnet.

Dies alles hat ein vom Kreuz gestaltetes Leben zum Ziel.

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Nervige Feststelltaste

Heute mal ein erfreulicher Abstecher in ein ganz anderes Gebiet: schon immer hat mich die fESTSTELLTASTE auf der Tastatur meines Haupt-Handwerkszeuges genervt. Eine Zeitlang habe ich sie mit Knete (ja, ich meine die, mit der die Kinder spielen) stillgelegt. Aber das ist auf die Dauer doch doof.
Nachdem jetzt Florian Steglich beschrieben hat, wie man diese nervige Störungsquelle auf dem Mac stillegen kann, habe ich mich auf die Suche gemacht, wie das auch unter Linux möglich ist (die Einstellungen bei OpenSuse haben das nie geschafft). Und siehe da, es steht bei Wikipedia und ist ganz einfach:

In der Datei /etc/X11/Xmodmap (systemweit, du musst Root-Rechte haben) oder in deinem Home-Verzeichnis in ~/.Xmodmap (auf Benutzerbasis) nur zwei Worte eintragen:

clear Lock

und das Ding ist mausetot (wenn nicht, den nächsten Neustart abwarten).

Übrigens, für alle, die noch Tribut nach Redmond Lizenzgebühren an Microsoft zahlen: auch für Windows (ab Windows 2000) findet sich eine entsprechende Anleitung bei Wikipedia.

Nein, wir haben keine Bibelgruppen

Ryan Bell hat auf dem Allelon-Blog “The Missional Journey” die Probleme der traditionellen Bibelstudien-Gruppen beschrieben und überlegt, was in seiner Gemeinschaft an deren Stelle treten könnte.

Er geht von der Beobachtung aus, dass man in solchen Gruppen normalerweise austauscht, was man so denkt, “was der Text bedeutet”. Die Frage, was der Text eigentlich erreichen sollte (bei Jesus oder gar bei den Evangelisten), taucht kaum auf. Und was er aktuell bei seinen Lesern erreichen soll, diese Frage stellt sich auch nicht. Es geht nur um Information, aber nicht um Formation. Die Folge: Langeweile und Frustration.

Was tritt in Bells Gemeinschaft an die Stelle von Bibelstudiengruppen? Sie arbeiten dort mit “missional action teams”, die danach fragen, was Gott für ihre Nachbarschaft bedeutet. In diesem Zusammenhang wird es lebensnotwendig, in der Bibel zu leben. Solche Teams entwickeln eine “missionale Hermeneutik”. Dazu gehört etwas, was sie “dwelling in scripture” nennen, also ein “Bewohnen”, ein In-der-Bibel-leben. Manche Gruppen haben zwei Jahre lang mit einer bestimmten Passage gelebt und sich immer wieder gefragt: “wie formt dieser Text uns als Volk Gottes, damit wir in unserem Ort seine Zeugen sein können?” Damit bekommt der Text eine ganz andere Verbindlichkeit. Und genauso entsteht eine Verbindlichkeit unter denen, die sich entschlossen haben, gemeinsam Volk Gottes vor Ort zu sein.

Wenn die Bibel so gebraucht wird, dann - so haben sie es jedenfalls erfahren - rücken sehr elementare Texte wie die Bergpredigt, die Aussendung der Jünger oder die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Brunnen in den Vordergrund.

Es bleiben Fragen: wie geht man mit der Bibel um in einem Kontext von biblischen Analphabetentum? Wie öffnet man denen einen neuen Weg zur Bibel, die aus ihrem christlichen Hintergrund schon jede Menge Bibelinformationen mitbringen, aber ein ganzes Christenleben lang nur die “informative” Art des Bibelstudiums kennengelernt haben? Und wie hilft man Neubekehrten, erst gar nicht damit anzufangen?

Ich finde das sehr wichtige Fragen und Anstöße. Auch für uns muss es eine missionale Hermeneutik geben. Erst im Zusammenhang von Praxis wird die Bibel ihre wirklichen Qualitäten entfalten.

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